Die Bosch Hockenheim Historic 2019

Die Bosch Hockenheim Historic vom 26. – 28. April 2019 findet zu Ehren des schottischen Formel-1-Weltmeisters Jim Clark statt, welcher am 7. April 1968 im ersten Lauf um den Martini Gold Cup auf dem Hockenheimring tödlich verunglückte.

Marco Werner, dreimaliger Gesamtsieger der legendären 24 Stunden von Le Mans, bringt es auf den Punkt: „Die Bosch Hockenheim Historic ist eine tolle Rennveranstaltung für alle Fans. Vom Formel Junior mit 130 PS bis hin zur Formel 1 bei Demorunden oder in der BOSS GP ist alles zu sehen – und vor allem zu hören! Da gibt es ordentlich was für die Ohren.“ Drei Tage lang, vom 26. bis 28. April, versammelt sich auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg die gesamte Bandbreite historischen Rennsports beim Saisonauftakt. Highlights in diesem Jahr sind neben den spektakulären Rennautos der BOSS-GP- und der CanAm-Serie die Toyota-F1-Boliden von Timo Glock und Ralf Schumacher aus den 2000er-Jahren, der Ferrari von Michael Schumacher von 1997 und eine ganze Handvoll Maserati-Supersportwagen – angeführt von Michael Bartels in seinem GT1-Weltmeister-Auto. Ein vielfältiges Rahmenprogramm bildet das Sahnehäubchen des Jim Clark Revivals.

Ein Dutzend verschiedener Rennserien gibt sich die Ehre. Marco Werner startet gleich in vieren davon – die unterschiedlicher nicht sein könnten: In der FIA Lurani/Formel Junior-EM, wo es vor Mini-Monopostos nur so wimmelt. In der CanAm-Serie, die für wahre PS- und Flügelmonster steht, mit einem McLaren M8F mit 8,1-Liter-Motor! Dazu in der Youngtimer Challenge im BMW M1. Überall Vollgas, versteht sich. Nur im Formel-1-Arrows von 1988 geht’s gemächlich dahin. „Es ist toll, so viele verschiedene Rennwagen fahren zu können. Ich freue mich riesig drauf“, so der 52-Jährige. Dass der Vielbeschäftigte auch bei den Autogrammstunden sein Bestes gibt, ist klar. Neben ihm beim Signieren: Timo Glock, Martin Donnelly und Harald Grohs – sowie der Grandseigneur der Bosch Hockenheim Historic, Jochen Mass.

BOSS GP, Raceclub Germany und Team FNT mit Formel-1-Boliden

Fünf Formel-1-Kracher jüngeren Datums bilden die optische und akustische Speerspitze der BOSS-GP-Serie, angeführt von Ingo Gerstl im Toro Rosso und seinem schärfsten Rivalen Phil Stratford im Benetton. Ein Rudel lärmender GP2-Renner bereichert das Starterfeld. Auch der fantastische Raceclub of Germany hat fünf Formel-1-Autos im Feld, aus Gründen des Werterhalts gehen die Teilnehmer freilich behutsam mit ihren Kronjuwelen um. Wie im Vorjahr bringt der renommierte Schweizer Rennwagensammler Jo Vonlanthen als besonderes Schmuckstück Michael Schumachers Ferrari aus dem Jahr 1997 nach Hockenheim. Ein Hingucker ist sicher auch das älteste Fahrzeug im Raceclub-Feld, ein Lagonda aus dem Jahr 1948. Mit den aktuellsten Exemplaren der Königsklasse verwöhnt das Team FNT die Zuschauer: dem Toyota TF 105 mit Zehnzylinder-Triebwerk, den Ralf Schumacher 2005 in Japan sogar zur Pole-Position fuhr, sowie den Toyota TF 108 von Timo Glock von 2008, der etwa 900 PS aus einem sonoren V8-Sauger zieht. Der DTM-Star wird „sein“ Auto an allen drei Veranstaltungstagen selbst um den Grand-Prix-Kurs steuern.

CanAm mit Gentle Drivers Trophy, Formel 2 u. a. im Boom

CanAm-Fans aufgepasst: Die PS- und Flügelmonster haben sich für Hockenheim mit der „FHR – A Gentle Drivers Trophy“ zusammengetan. So ergibt sich ein formidables Starterfeld, etwa mit zwei bärenstarken McLaren, mit Lolas, Porsches sowie je einem Chevron, Reynard und De Tomaso. Markenvielfalt ist bei der „FHR – 100 Meilen Trophy“ Trumpf, in der Namen wie Jaguar, Lotus, Ford, BMW, Porsche oder Mercedes-Benz für Glanz sorgen.

Mit vollen Starterfeldern warten einige Serien auf, dazu zählt die Historische Formel 2, die auf schöne und schreckliche Weise mit Hockenheim verquickt ist. Im Badischen feierte die F1-Nachwuchsklasse ihre Hoch-Zeit, aber hier war es auch, wo Jim Clark am 7. April 1968 bei einem F2-Rennen tödlich verunglückte. Auch der Lotus Cup Europe mit seinem bunt gemischten Starterfeld verschiedener Modelle boomt – und ist eine Hommage an Jim Clark. Eng verbunden mit Lotus, hat das schottische Fahrgenie die Marke mit jener Magie versehen, die sie seither umgibt.

Formelflitzer der unterschiedlichsten Nachwuchskategorien (Formel 3, Formel Ford, Renault, VAU) und beinharte Zweikämpfe lassen den Funken bei den Rennen der „Historic Racecar Association“ auf die Tribünen überspringen. Zur Sache geht es auch im riesigen Starterfeld der FIA Lurani Trophy/Formel Junior-EM. Kleine Autos, spitze Ellbogen! Ganz anders die Philosophie der „Youngtimer Touring Car Challenge“ mit ihren etwa 40 Teilnehmern: purer Fahrspaß, bloß keine Selbstüberschätzung! Die Startaufstellung der „Triumph Competition & British HTGT“ sollte man in Ruhe angucken, wenn man etwas für die Schönheit britischer Autobaukunst übrig hat, für die Triumph-Palette sowie Modelle der Marken Austin Healey, Jaguar, MG oder Morgan. Nicht minder attraktiv sind die Fahrzeuge der „Passionata Maserati“, die der frühere DTM- und F1-Fahrer Michael Bartels organisiert. Er führt auch die Präsentationsläufe der Gruppe an – in seinem Weltmeister-Maserati MC 12 GT1, der unter seiner traumschönen Karosserie satte 630 PS verbirgt.

Bosch – Namensgeber und engagierter Veranstaltungspartner

In schöner Tradition präsentiert Bosch Classic in und vor seiner Hospitality Historisches und Zukunftsweisendes. Rennfahrer-Multitalent Mario Ketterer, stolze 69 Jahre alt und erst seit 2013 im „Ruhestand“, steht für Autogramme und Benzingespräche bereit. Drinnen präsentiert sich der Bosch-Geschäftsbereich Building Technologies, draußen werden Fahrzeuge ausgestellt, etwa die neuen Monopostos der Formula Student, ein Rallye Audi Quattro und VW T1 „Bullis“ von Bosch Classic.

Unterhaltungsangebote auf dem gesamten Gelände des Hockenheimrings

Dass es Besuchern nicht eine Minute langweilig wird, dafür sorgt nicht zuletzt das vielfältige Rahmenprogramm der Bosch Hockenheim Historic. Ob Jim-Clark-Ausstellung im Kongress-Pavillon (ein Muss!), Slotcar-Racing-Wettbewerb an gleicher Stelle, die Sonderausstellung zweier Porsche 917 zum 50. Geburtstag der Rennfahrzeuglegende, die Verleihung des Design Awards oder die Würdigung Jim Clarks am Memorial. Das Boxendach erweist sich als wahrer Fundus für Fans historischen Rennsports und dazugehöriger Utensilien, die Kleinen finden ihr Glück im Kids Club. Ein Shuttle-Bus bringt Fans zum Markenclubareal nahe der Osttribüne, wo sich ungezählte Liebhaberfahrzeuge ein Stelldichein geben.

Das volle Programm

Porsche feiert 50 Jahre 917er

Im Herbst 1969 stellte Porsche auf dem Hockenheimring einen Sportprototyp namens 917 vor – da ahnte noch keiner, wie viele Pokale dieses Rennauto den Zuffenhausenern bescheren würde. Anlässlich des 50. Geburtstags des 917er bringt Porsche zwei historische Exemplare zur Bosch Hockenheim Historic: eine frühe Version aus der Saugmotor-Ära sowie einen der äußerst raren, rund 1.100 PS starken 917/30. Dies war die letzte Evolutionsstufe, gebaut für die wilde CanAm-Serie. Beide Fahrzeuge werden am Freitag, 26. April, nach dem Rennbetrieb zum Foto-Shooting auf der Start-und-Zielgeraden präsentiert. Im Anschluss findet eine Moderation mit Zeitzeugen statt: dem Interserie-Sieger von 1970, Jürgen Neuhaus, dem ehemaligen Porsche-Ingenieur Valentin Schäffer (Spitzname „Turbo-Valentin“) und dem damaligen Werksmechaniker Gustav Nietsche. Übers Wochenende kann man die Boliden in einem Ausstellungszelt im Fahrerlager aus der Nähe betrachten.

Jim-Clark-Ausstellung mit Hingucker Lotus 59 im Golden-Leaf-Design

Eine wunderbare Tradition anlässlich der Bosch Hockenheim Historic ist die Jim-Clark-Ausstellung im Kongress-Pavillon. Jedes Jahr schafft es das Schweizer Ehepaar Mallepell mit Leidenschaft und Akribie, neue, aufregende Fundstücke in Hockenheim zu präsentieren. Der optische Leckerbissen wird sicher der Lotus 59 FII Wagen im Gold-Leaf-Design aus dem Jahr 1969, dazu der passende Mechaniker-Overall aus dem Jahr 1968. Dieser Ort lädt zum Entschleunigen ein. In Vitrinen und an Stellwänden finden Besucher das letzte Autogramm der Rennlegende, einen persönlichen Brief sowie über 50 Statements von Freunden und Zeitzeugen zu Jim Clark; dazu Bücher, Zeitschriften, Fotos, Poster, Modellautos und vieles mehr. Eine Vitrine ist 2019 Lotus-Gründer und Clark-Förderer Colin Chapman gewidmet. Zwei kleine Sonderausstellungen runden das Ganze ab: eine über den Rennfahrer Karl Foitek, der Jim Clark einige Male persönlich traf – und eine über Ayrton Senna, der 1991 das Jim-Clark-Museum in Schottland besuchte.

BOSS GP feiert 25-jähriges Jubiläum

Die „BOSS-Rennsportserie“ hat ihren Ursprung im Jahr 1994 mit der Gründung der BOSS Formula . Die ersten Rennen wurden ab 1995 ausgetragen, diese fanden hauptsächlich in Großbritannien unter den Bestimmungen des RAC Motorsportverbandes statt.

Es folgte die Umbenennung in European Boss (kurz: EuroBOSS). Das Starterfeld dabei bestand üblicherweise aus 12 bis 15 Startern, u.a. Benetton, Jordan, Tyrrell, Minardi oder gelegentlich ein V12 Ferrari zu den antretenden Boliden.

In der Saison 2009 beschlossen die Fahrer Marijn van Kalmthout, Klaas Zwart, Henk de Boer und Frits van Eerd, sich abzuspalten und ihre eigene Rennserie zu gründen. Somit gab es neben der EuroBOSS noch die BOSS GP. Die neu gegründete Rennserie zog ein breites Fahrerfeld an, währenddessen beschloss EuroBOSS – aufgrund des kleinen Teilnehmerfeldes – die Einstellung der Rennserie drei Rennen vor Saisonende.

Bei BOSS GP sind nur die großen und PS-starken Formelrennfahrzeuge der letzten Jahre zugelassen. Neben den Formel-1-Boliden der vergangenen Jahre ist die BOSS GP-Rennserie u.a. auch für GP2, IndyCar, World Series by Renault und A1 GP offen. In diesem Jahr geht BOSS GP bereits in seine 25. Saison, die in Hockenheim im Rahemn der Bosch Hockenheim Historic eröffnet wird.

 Canadian-American Challenge Cup

Von 1966 bis 1974 degradierte die damals spektakulärste Rennserie der Welt die Formel 1 zu einem Spiel der Langweiler, denn beim CANADIAN-AMERICAN Challenge Cup war alles möglich und vor allem alles erlaubt: Es gab keine Grenzen. Die CanAm-Boliden hatten hinsichtlich Power, Speed und Attraktivität keine Rivalen. In neun Jahren liefen 71 Rennen. Das Reglement, das sich an die zweisitzigen Rennwagen der Gruppe 7 der FIA anlehnte, war für den Champion von 1972, Georg Follmer, „nur drei Seiten dünn, erlaubt war alles“. Die Gruppe 7 der FIA bedeutete: kein Hubraumlimit, aber dafür gerne mit Turbolader oder Kompressor. Andere technische Restriktionen bestanden de facto nicht. Die Autos brauchten theoretisch zwei Sitze, eine Karosserie, welche die Räder umschloss und einen Überrollbügel. Damit waren die Autos zugelassen und kamen dem Traum vieler Rennwagenkonstrukteure „Alles ist möglich“ sehr nahe.

 BOSS GP

BOSS GP, die schnellste Rennserie Europas und eine der spektakulärsten in der internationalen Motorsportwelt startet 2019 erneut im Motodrom. Sie ist von der obersten Motorsportbehörde FIA offiziell als internationales Championat autorisiert und fuhr 2018 im Rahmenprogramm des Formula 1 Emirates Grosser Preis von Deutschland am Hockenheimring. Die Bezeichnung ‚BOSS’ steht für Big Open Single Seater, was so viel bedeutet wie, zugelassen nur für die großen und PS-starken Formelrennfahrzeuge der letzten Jahre bis hin zum aktuellen Renngeschehen. Nur hier gibt es für den Motorsportfan die seltene und somit sehr exklusive Möglichkeit, an diese unglaublich faszinierenden Fahrzeuge einmal ganz nah und in ihrer geballten Vielfalt heranzukommen. Sie im richtigen Renneinsatz zu erleben, den Teams bei deren Startvorbereitungen zuzusehen, vor allem aber dem unvergleichlichen Sound der Motoren zuzuhören, ist immer wieder aufs Neue ein Erlebnis. Die Performance dieser Boliden ist nach wie vor atemberaubend, die fliegenden Starts extrem laut, die Rennen schnell, furios und gewiss auch ein Stück historisch wertvoll.

 FHR 100 Meilen Trophy

Die neue Rennserie „100 Meilen Trophy“ wurde 2017 zum ersten Mal ausgetragen. Mit dieser Rennserie wird ein konsequenter Ausbau der FHR-Rennserien verfolgt, um den Bedürfnissen der Fahrer, mit aktuelleren Fahrzeugen fahren zu können, nachgegangen wird. Mit diesem interessanten Feld präsentieren wir Fahrzeuge aus den wilden 70er und 80er Jahren, in den Firmen wie Kremer Racing, Kannacher oder Loos mit ihren Gruppe 5 Boliden die Zuschauerränge füllten. Aber auch, wie damals üblich, kommen hier auch Gruppe 4 und Rennsportfahrzeuge an den Start, abgerundet wird das Feld mit V8-Fahrzeugen. Ausgeschrieben ist die Serie für GTs und Rennsportwagen der Baujahre 1966 bis 1981 und Sports2000. Ab diesem Jahr werden zusätzlich die Kollegen von der CanAm Serie willkommen geheißen, die in diesem Jahr mit der 100 Meilen Trophy an den Start gehen werden.

 FHR A Gentle Drivers Trophy

Es war eine Epoche des Aufbruchs im Rennsport. Kurz nach Beendigung des zweiten Weltkriegs setzten die europäischen Automobilwerke auf neue Entwicklungen und demonstrierten ihre Fahrzeuge bei internationalen Veranstaltungen. Es war eine Zeit, als Rennfahrer noch mit ihren Rennwagen auf eigener Achse zur Strecke fuhren, als kleine Privatteams mit innovativen Konstruktionen, etablierte Werksteams hinter sich lassen konnten. Mercedes-Benz trat mit den gewaltigen Flügeltürern und daraus entwickelten Rennsportversionen an, Jaguar versuchte sich als erster mit Scheibenbremsen und die junge Firma Lotus setzte auf Leichtbau mit kleinen Motoren. Die unterschiedlichen Konzepte konkurrierten u.a. bei großen Rennen in Le Mans, in Spa oder am Nürburgring und kämpften um Gesamt- oder Klassensiege.

 FIA Lurani Trophy

Am 25. April 1958 fand in Monza das erste Rennen der Formel Junior statt – also vor über 60 Jahren. Dieses Rennen gewann Roberto Lippi in einem Stanguellini FJ. Die Gründung der Formel Junior, eine Rennklasse für Neueinsteiger, war die Idee des italienischen Grafen Johnny Lurani, um italienische Fahrer wieder in Grand-Prix-Wagen zu locken. Innerhalb von zwei Jahren gab es jedes Wochenende Rennen auf fünf Kontinenten, und ab 1961 konnte man über sie direkt in die Formel 1 einsteigen. Jim Clark, John Surtees, Peter Arundell, Mike Spence, Denis Hulme, Jochen Rindt, Mike Hailwood und Giancarlo Baghetti sind nur einige von vielen, die auf diese Weise in die Formel 1 aufstiegen. Die Formel Junior war die erste historische Rennklasse, die 1975 wieder zum Leben erweckt wurde, und die FIA Lurani Trophy war die erste FIA-Meisterschaft, die 1996 von ihrer eigenen Gruppe geleitet werden durfte. Die Feiern zum goldenen Jubiläum folgten 2008 mit acht Rennen in Europa, Neuseeland, Australien, der Ost- und Westküste der USA und Südafrika, an denen insgesamt 270 Fahrer teilnahmen. Und die Diamond Jubilee World Tour startete von 2016 – 2018.

Jim Clark Biographie 04.März 1936 – 07.April 1968

 James „Jim“ Clark junior, (* 4. März  1936 in Kilmany, Fife, Schottland; † 7. April 1968  in Hockenheim)

Jim Clark gilt bis heute als einer der besten Formel-1-Piloten der Geschichte und wurde zum Vorbild für zahlreiche spätere Weltmeister, darunter Jackie Stewart, Alain Prost und Ayrton Senna. Seine 25 Siege in zur Fahrer-Weltmeisterschaft zählenden Grand Prix stellten bei seinem Tod Formel-1-Rekord dar.

Tödlicher Unfall

Nachdem sein F2-Wagen in der Woche zuvor in Barcelona beschädigt wurde, aber ein Einsatz für Ford beim Sportwagenrennen in Brands Hatch nicht zustande kam, trat er doch auf dem Hockenheimring an, nachdem er am Abend zuvor im Aktuellen Sportstudio interviewt wurde. Im Regen verunglückte der 32-Jährige im für ihn völlig unbedeutenden Formel-2-Rennen tödlich, vermutlich infolge eines schleichenden Plattfußes und Reifenschadens, als er auf der Waldgeraden nach dem Motodrom von der Piste abkam und mit seinem Lotus 48 gegen einen Baum schleuderte. Es gab keinen Augenzeugen, da an dieser Stelle keine Zuschauer standen und die Konkurrenten zu weit hinter Clark waren, der zum Zeitpunkt des Unfalls an für ihn ungewohnter Position im Mittelfeld fuhr. Die von Lotus-Chef Colin Chapman in Auftrag gegebene Untersuchung des Unfalls durch Peter Jowitt, einen auf Unfallermittlungen von Militärflugzeugprototypen spezialisierten Ingenieur, ergab, dass Jim Clark keine Chance hatte. Auf dem Waldboden versuchte er noch mit Maximaldrehzahl das Fahrzeug in eine andere Richtung zu steuern, doch durch die Vielzahl der Bäume fehlte der Platz und es kam zu dem fatalen seitlichen Einschlag. Jowitt kam zu dem Ergebnis, dass ein Reifenschaden ursächlich für das Unglück war. Erst später wurden Leitplanken in Hockenheim aufgestellt, Sicherheitsstreifen angelegt und nahe seiner Unfallstelle eine Bremsschikane errichtet, die Jim-Clark-Schikane genannt wurde. An der Unglücksstelle wurde ein Gedenkstein errichtet, der im Zuge der umfangreichen Umbauarbeiten am Hockenheimring (Verkürzung und geänderte Streckenführung, um weiterhin „Formel-1-tauglich“ zu sein) in Richtung Motodrom versetzt wurde.

Clarks Tod erschütterte den gesamten Rennsport bis in seine Grundfesten und schockierte insbesondere die Fahrerkollegen. Juan Manuel Fangio sagte noch kurz vor seinem Tod im Jahre 1995, dass seiner Meinung nach Jim Clark der mit Abstand größte Fahrer aller Zeiten sei. Bereits in seinem Nachruf auf Clark im April 1968 äußerte er unumwunden: „Er war besser als ich.“ Eine vergleichbare Reaktion gab es lediglich noch einmal in der langen Geschichte der Formel 1, 26 Jahre später mit dem Tod Ayrton Sennas. Jene Jahre des Rennsports waren von einer ganzen Reihe von tödlichen Unfällen in den Topkategorien des Motorsports überschattet: Zwischen 1967 und 1971 kamen Lorenzo Bandini (Ferrari, Monaco), Lucien Bianchi (Alfa Romeo, Le Mans), Mike Spence (Indianapolis), Piers Courage (Zandvoort), Ludovico Scarfiotti (Bergrennen Roßfeld), Bruce McLaren (Goodwood), Jochen Rindt (Monza), Pedro Rodriguez (Norisring) und Jo Siffert (Brands Hatch) in ihren Rennwagen ums Leben.

Genau Infos unter: http://www.hockenheim-historic.de/jim-clark/

Im Mittelpunkt der Bosch Hockenheim Historic 2018 stand traditionsgemäß auch jener Rennfahrer, zu dessen Ehren die Veranstaltung jedes Jahr stattfindet: Jim Clark. Am 7. April 2018 jährte sich der Unfalltod des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters auf dem Hockenheimring zum 50. Mal. Die Würdigung des Fahrgenies und liebenswerten Menschen Clark zog sich gleichsam wie ein roter Faden durch die drei Tage. Aus Anlass des Todestages waren Weggefährten und Zeitzeugen geladen, darunter auch zwei nahe Verwandte aus Schottland sowie Clive Chapman, Sohn des Lotus-Gründers und Clark-Förderers Colin. Die Kranzniederlegung am Jim-Clark-Memorial war in Anwesenheit der Gäste extrem berührend. „Wir sind erstmals und mit gemischten Gefühlen nach Hockenheim gereist“, sagte Clarks Cousin Doug Niven. „Zu sehen, wie die Erinnerung an Jimmy hier wachgehalten wird, beeindruckt uns sehr.“ Die Gäste aus Schottland durften am Ende einen Scheck der Hockenheim-Ring GmbH und des Badischen Motorsport Clubs in Höhe von 5.000 Euro mitnehmen, um den Aufbau eines neuen Jim-Clark-Museums in seiner Heimat zu unterstützen. Zur Gedenkminute am Sonntagnachmittag erhoben sich die Zuschauer von ihren Sitzen – wie schon vor 50 Jahren.

Prallvolle Starterfelder und tolle Atmosphäre im Motodrom

Es war eines der Zuschauer-Highlights einer an Höhepunkten reichen Veranstaltung: DTM-Star Timo Glock in „seinem“ 2008er Formel-1-Toyota auf dem Grand-Prix-Kurs. 20 Minuten lang am Samstag und Sonntag – und nicht eben langsam. „Die ersten Runden“, sagte der 37-jährige Hesse ergriffen, „waren sehr emotional.“ Der 900 PS starke V8-Bolide des FNT-Teams wirkte brandaktuell im Umfeld der Bosch Hockenheim Historic, bei der sich vom 26. bis 28. April um die 450 historische Rennfahrzeuge einfanden – wahlweise zu beinharten Tür-an-Tür-Duellen, rücksichtsvollem Racing oder Schaulaufen. Das Gros der Rennserien begeisterte mit prallvollen Starterfeldern. Etwa 18.000 Zuschauer trotzten der Kälte und Regenschauern – und freuten sich am Motorsport und der Mög-lichkeit, Autos und Fahrern so nahe zu kommen wie sonst nirgends. Timo Glock war ext-rem beeindruckt: „Das ist hier eine schöne und entspannte Veranstaltung, auch weil alles so offen ist.“

Glock war nicht der einzige große Name beim diesjährigen Jim Clark Revival. Zu der offi-ziellen Autogrammstunde gesellten sich: Ellen Lohr, die als einzige Frau ein DTM-Rennen gewinnen konnte, Touren- und Sportwagen-Oldie Harald „Nippel“ Grohs, der dreimalige Le-Mans-Gesamtsieger Marco Werner, der GT1-Weltmeister Michael Bartels sowie Ex-Formel-1-Fahrer Jochen Mass. Während Lohr und Grohs vor allem am Zelt von Serien-sponsor Allianz mit Gesprächsrunden, Autogramm-Marathon und Fachsimpeln mit Fans aktiv waren, hetzte etwa Werner von Start zu Start. Der 53-Jährige war in drei verschiedenen Rennserien engagiert.

Historische Formel 2 – Erinnerung an goldene Ära und Unfall von Jim Clark

Die Historische Formel 2 befindet sich seit einigen Jahren im Aufschwung. Dass nun auch nationale Gaststarter zugelassen sind, hat dies beschleunigt. Die Markenvielfalt der Vergangenheit spiegelte sich am Wochenende im knapp 30 Fahrzeuge starken Feld, mit Chevron, Ralt, March, Rondel, Brabham und Lotus – und erinnerte so an die goldene Ära des Formel-1-Sprungbretts ebenso wie an den tragischen Unfalltod Jim Clarks. Der zwei-fache F1-Weltmeister und Superstar kam vor 51 Jahren bei einem F2-Rennen auf der Waldgeraden in Hockenheim ums Leben. Als Sieger wurden im ersten F2-Lauf Martin O’Connell (Chevron B40) gefeiert, im zweiten Thomas Amweg (Ralt RT1).

Hochspannung und Duelle am laufenden Band bot die FIA Lurani Trophy den Zuschauern. In der 1958 ins Leben gerufenen Nachwuchsserie für preisgünstige Mini-Monopostos gab es deutlich mehr Interessenten als Startplätze! Marco Werner versemmelte im Lotus 22 als Qualifying-Zweiter den Start des ersten Laufs, pflügte von hinten durchs Feld und wurde Achter. Mit 0,449 Sekunden Vorsprung gewann Bruno Weibel im Lotus 22 vor Marc Shaw (Brabham BT6), dem Dritten Manfredo Rossi Di Montelera fehlten im Lotus 22 auch nur 1,276 Sekunden auf den Sieg. Ähnliche Reihenfolge und Abstände im zweiten Lauf, diesmal Weibel vor Rossi Di Montelera und Shaw.

Rennautos ohne Dach aus ehemaligen Nachwuchsserien, Fights um jede Zehntelsekunde im engen Feld – das sind die Grundpfeiler der Historic Racecar Association, eine der äl-testen historischen Rennserien überhaupt. Den ersten Lauf gegen mehr als 30 Konkurrenten entschied der Franzose Frederic Rouvier im Martini MK34 für sich, mit dem denkbar knappen Vorsprung von 0,6 Sekunden auf seinen Landsmann David Caussanel im Brabham BT41 Ford. Auch am Sonntag gewann Rouvier, diesmal hatte er mit 1,022 Sekunden Rückstand Thomas Weidel (Ralt RT3/84 VW-Brabham-Judd) im Nacken und mit 1,9 Sekunden Caussanel.

Gerstl in BOSS GP konkurrenzlos, Le-Mans-Sieger Werner gewinnt CanAm

Die BOSS-GP-Serie (Big Open Single Seater) war zumindest an der Spitze praktisch schon am Start entschieden. Nach dem Ausfall der stärksten Rivalen (Motorproblem am Benetton-F1 von Phil Stratford, Unfall des zweiten Benetton) fuhr Rekordmeister Ingo Gerstl in seinem Zehnzylinder-Toro-Rosso in beiden Rennläufen ungefährdet als Erster ins Ziel. Dahinter ging’s in einer Horde von GP2-Monopostos allerdings ordentlich zur Sache. Als Zweiter und Dritter umrahmten jeweils Andreas Fiedler und Alessandro Bracalente den siegreichen Gerstl auf dem Podest. Doppelsieg auch beim CanAm-Cup, der erstmals gemeinsam mit der neu hinzugekommenen Serie „FHR 100 Meilen Trophy“ ausgetragen wurde. Le-Mans-Sieger Marco Werner wurde im McLaren-Trojan-M8-F mit 8,1-Liter-Motor erwartungsgemäß als Sieger beider Rennläufe gewertet – im zweiten fehlten Verfolger Felix Haas im Lola T294 allerdings nur 0,9 Sekunden! „Ich bin den CanAm-McLaren zum ersten Mal gefahren“, sagte Werner aufgeräumt. Sein Fazit: „Leistung ohne Ende, extrem anspruchsvoll und schwer zu fahren.“ Haas wurde zweimal Zweiter, Wolfgang Henseler (Lola T210) komplettierte das Podium jeweils als Dritter.

Präsentationen vom Raceclub Germany und Maserati, großer Tourenwagen-Spaß

Traditionspartner in Hockenheim und stets umringt von Besuchern: der Raceclub Germany mit allerlei Preziosen, etwa Michael Schumachers Formel-1-Ferrari von 1997 oder ei-nem Talbot Lago T26C aus der Vor-Formel-1-Zeit. Aus Rücksicht auf den Werterhalt wird in gemächlicher Gangart gefahren. Das Team FNT hatte neben Glock und seinem Renner noch ein weiteres Ass im Ärmel: den ehemaligen F1-Toyota von Ralf Schumacher aus dem Jahr 2005. GT1-Sportwagen-Weltmeister Michael Bartels, Organisator der Maserati Passionata, versammelte fünf von lediglich zwölf weltweit existierenden Maserati MC12 in Rennversion in der Maserati-Box, einen davon präsentierte er auf dem Grand-Prix-Kurs.

Einen Mega-Boom erlebt die Youngtimer Touring Car Challenge, die vom Niederländer Randall Lawson organisiert wird. Wegen des gewaltigen Andrangs wurde das Feld in zwei Startgruppen aufgeteilt: die eine ist die etwas schnellere, die andere die etwas langsamere. Drei Rennen à 20 Minuten durften beide fahren, was die Zuschauer goutierten, denn bei über 40 bunt gemischten GT- und Tourenwagen kommt keine Langeweile auf. Einzigartig ist die Philosophie: „Smile – it makes you faster“ (etwa: Lächeln macht Dich schneller). Wer sich auf der Rennstrecke rüpelhaft verhält, wird ermahnt und im Wieder-holungsfall ausgeschlossen. Das heißt aber nicht, dass man die Rivalen vorbeiwinkt! Die Truppe erscheint wie eine Riesenfamilie – und tatsächlich sind auch Väter, Söhne und Töchter am Start. Einen Meister gibt’s nicht, aber Sieger: etwa die 22-jährige Tijn Jilesen, die im Porsche 944 einmal Dritte wurde und zwei Rennen gewann. Papa Tjarco verpasste das Podium!

Lotus Cup, Gentle Drivers Trophy und Triumph Competition – bunte Mischung

International besetzt, bunt gemischt und traditionell in Hockenheim am Start ist der Lotus Cup Europe. Auch er ist mit Jim Clark verknüpft, denn es war der Schotte, der den guten Ruf der Marke kreierte. Rennen eins gewann der Belgier John Rasse im Exige V6 Cup R, den zweiten Sieg sicherte sich der Ungar Bence Balogh im Evora GT4. Vertrauter Anblick auch bei der „Triumph Competition & British HTGT“ mit den wunderschönen Vertretern britischer Automobilkunst. Premiere feierte dagegen „A Gentle Drivers Trophy“ mit GT-Fahrzeugen und Tourenwagen der Periode bis 1965. Zum Hinknien schön: diverse Lotus (etwa Cortina), zwei Porsche 356, eine Alfa Romeo Giulia und ein Mercedes-Benz 300SL Coupé. Man fährt schnell, aber durchaus rücksichtsvoll.

Jim-Clark-Ausstellung, Design Award, 917er-Jubiläum im Rahmenprogramm

Traditionell zog auch das Rahmenprogramm die Besucher in den Bann, etwa mit der in jedem Jahr mit Herzblut gestalteten Jim-Clark-Ausstellung im Kongress-Pavillon. Absoluter Hingucker 2019: der Lotus 59 in Golden-Leaf-Farben. Wie die großartige Ausstellung ist auch die Verleihung des Design Awards fester Programmpunkt der BHH. Innovation und Ästhetik sind die zentralen Kriterien. Professor James Kelly wählt die Sieger gemeinsam mit den internationalen Masterstudenten des Studienganges Transportation Design der Hochschule Pforzheim aus. Zum besten Sportprototypen wurde der Porsche 917 Baujahr 1970 gekürt, zum besten Monoposto der Talbot Lago T26C, die Tourenwa-gen-Kategorie gewann der De Tomaso Magusta.

Der 917er-Porsche von 1970 war aus Anlass des 50. Geburtstags dieser legendären und extrem erfolgreichen Prototypenreihe im Fahrerlager ausgestellt. Er zählt zur ersten 917er- Generation, wirkt elegant und verfügt über 540 PS. Neben ihm faszinierte die Besucher ein roter 917, ein herausragendes Exemplar der letzten Generation. Schon die Optik sagt im Grunde alles: Der Rote ist ein wuchtiger Macho, unter der Carbonkarosse arbeiten satte 1.200 Turbo-PS. Damit dominierten die Zuffenhausener die Interserie – für die der Hockenheimring steht wie keine andere Rennstrecke.

Das Markenclubareal mit ungezählten Liebhaberfahrzeugen und die Devotionalienstände auf dem Boxendach rundeten die Bosch Hockenheim Historic 2019 ab.

FOTOS 2019: Canadian-American Challenge Cup ; BOSS GP ; Historic Racecar Assosiation ; FIA Lurani Trophy ; Raceclub Germany ; FNT Team ; Lotus Cup Europe ; Boxengasse und Impressionen

FOTOS 2019 von Marc Stibbe: Aus den Boxen ; Von der Rennstrecke