Solitude-Rennstrecke

Solitude Revival 2019

Die Solitude-Rennstrecke ist eine ehemalige Motorsport-Rennstrecke im Westen von Stuttgart. Sie ist benannt nach dem Schloss Solitude und war Austragungsort verschiedener Motorrad- und Automobilrennen. Solitude Revival: Seit 2008 findet in unregelmäßigen Abständen, normalerweise alle zwei Jahre das Solitude Revival statt. Die Großveranstaltung für historische Rennfahrzeuge findet auf einem Teil des Solituderings statt.

Live dabei und mittendrin – auf der Strecke von damals mit den Fahrzeugen von damals. Eine Rennstrecke im Original wie vor mehr als 50 Jahren ist heute kaum noch irgendwo auf der Welt zu finden – nur einer der Gründe, weshalb die Startplätze beim Solitude Revival so begehrt sind. Zum Vergleich: Beim Solitude Revival waren bereits rund 300 Fahrzeuge auf der Strecke. Dieses Jahr waren es rund 430 Fahrzeuge.

Das Fahren auf der 11,7 km langen historischen Naturrennstrecke bietet den Besitzern historischer Rennfahrzeuge die außergewöhnliche Gelegenheit, ihre Fahrzeuge auf dem Asphalt unter Gleichgesinnten und vor großem Publikum zu präsentieren. Jede Kurve wird zu einem Erlebnis, und man bekommt ein Gefühl dafür, wie es wohl war, als Jim Clark oder John Surtees vor mehr als 50 Jahren hier ihre Runden drehten.

Auch wenn beim Solitude Revival keine Rennen mehr gefahren werden, sondern die Fahrer ihre Fahrzeuge den Zuschauern präsentieren, wird alleine die Fahrt auf dem historischen Rundkurs bei Fahrern und Zuschauern jedes Mal Gänsehaut erzeugen.

Homepage: https://solitude-revival.org/ ; Facebook: https://www.facebook.com/solituderevival/

Streckenführungen

© von e-w - eigenes werk, cc by-sa 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9977577 Start- und Zielturm im Mahdental

Die traditionelle, für Motorradrennen genutzte Strecke liegt oberhalb des Stuttgarter Stadtteils Bergheim, jedoch nicht im Zentrum der wichtigsten 11,3 km langen Variante der ehemaligen Rennstrecke. Diese führt vom Start-und-Ziel-Haus beim heutigen ADAC-Übungsplatz, am Seehaus und dann am Glemseck bei Leonberg vorbei hinauf zum Frauenkreuz, dort Richtung Katzenbacher Hof mit dem Steinbachsee, vorbei am Stuttgarter Stadtteil Büsnau zum Schattengrund und durch das Mahdental zurück zu Start und Ziel vor Glemseck. Der Abschnitt vom Schattengrund bis Glemseck verläuft im Tal der Glems.

Das „Glemseck“ an der Strecke

•   Ab 1903: Erste Bergrennen-Rennstrecke vom Stuttgarter Westbahnhof hinauf zum Schloss Solitude.

•   Ab 1906: Start vom Westbahnhof nach Heslach verlegt.

•   Ab 1925: Rundkurs mit einer Länge von 22,3 km, Start und Ziel am Schloss. Fahrtrichtung: Gegen den Uhrzeigersinn.

•   Ab 1931: Rundkurs wurde verkürzt mit der Straße durch das Mahdental. Start und Ziel wurde nach Westen verlegt. Fahrtrichtung: Uhrzeigersinn.

•   Ab 1935: Endgültiger Rundkurs: Die 1931 eingeführte Strecke durch das Mahdental und der 1931 ausgelassene Streckenteil bilden den bis 1965 verwendeten 11,4-km-Kurs. Fahrtrichtung: Gegen den Uhrzeigersinn.

•   2003: 100-Jahr-Feier auf 4 km kurzer Streckenführung um das Schloss herum, aber trotzdem auf historischen Streckenteilen (1925–1935). Start und Ziel wieder am Schloss. Fahrtrichtung im Uhrzeigersinn. Nur die Abkürzung über die Wildpark-Schnellstraße und deren Zufahrtsrampe ist neu.

•   2011: Auf das Wirken der Initiativen Solitude-Revival und Retro Classic Culture hin wurden im Rahmen des Automobilsommers 2011 in Baden-Württemberg zum 125. „Geburtstag“ des Benz-Patent-Motorwagens die Straßen, die zur zuletzt befahrenen Variante gehören, für ein Wochenende gesperrt. Zahlreiche Besucher konnten historischen Renn- und Sportwagen aus verschiedenen Epochen bei der Befahrung der Rennstrecke zusehen.

Geschichte

© von micap - eigenes werk, cc by-sa 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12395833 Die Anfänge

Die Tradition der legendären Solitude-Rennen begann bereits im Jahr 1903 mit einem Bergsprint für Motorräder vom Stuttgarter Westbahnhof hinauf zum Schloss Solitude. Ein paar Jahre später wurde der Start zum Schützenhaus im Vorort Heslach verlegt. Bis 1924 wurde dann auf dieser Strecke alljährlich ein Bergrennen ausgetragen, ab 1922 auch mit Sport- und Rennwagen. Mercedes schickte von Beginn an alljährlich seine besten Rennwagen und Fahrer zur Solitude und bei BMW wählte man das bereits renommierte Rennen für den Ersteinsatz der neuen Rennmotorräder. 1925 gab es erstmals ein Rennen ‚Rund um die Solitude‘ über zirka 22 km Rundenlänge. Der Rundkurs galt als sehr anspruchsvoll und wurde mit der berühmten Targa Florio in Sizilien verglichen. Nun kamen auch immer mehr ausländische Fabrikate und Fahrer, so dass die Veranstaltung bald zu den besten Europas gehörte. Von Jahr zu Jahr stieg die Zuschauerzahl an und die Renntage gerieten mitunter zu wahren Volksfesten. Nach 1927 durfte die Strecke aus Sicherheitsgründen nicht mehr von Automobilen befahren werden und bis 1937 fanden nur noch Motorradrennen statt. 1931 wurde die Streckenlänge auf 19 km verkürzt und 1935 ein neuer 11 km langer Rundkurs abseits von Schloss Solitude durch das Mahdental gefunden, der später der klassische

Zwischen den Kriegen

Zwischen den beiden Kriegen wurde das Solitude-Rennen zu einer international renommierten Motorsportveranstaltung. 1922 machte man zunächst weiter auf der bekannten Bergstrecke zwischen Heslach und dem Schloss Solitude. Neben Motorrädern starteten nun auch erstmals Automobile bis hin zu Grand Prix – Rennwagen. Daimler und Benz schickten damals noch getrennte Werksteams. Zur Fusion kam es erst 1926. In der Daimler Motoren Gesellschaft arbeitete ab 1923 Ferdinand Porsche als Leiter des Konstruktionsbüros. Unter seiner Führung entstanden dort sehr erfolgreiche GP-Rennwagen, die auch auf der Solitude zum Einsatz kamen. Ab 1925 wurde aus dem Solitude-Bergrennen ein riesiger Rundkurs mit über 22 Kilometern Länge, vergleichbar etwa dem Nürburgring, der zwei Jahre später entstand. „Rund um die Solitude“ nannten sich jetzt die jährlichen Rennen für Motorräder und Automobile. Bei den Motorrädern legte die junge Marke BMW auf der Solitude den Grundstein ihrer Erfolgsgeschichte. Die schon etablierte Marke NSU war mit ihren Zweirädern, aber auch mit Renn- und Tourenwagen, erfolgreich. Ab 1926 war das Solitude-Rennen ein Anziehungspunkt für die besten Rennfahrer Europas. Deutsche Helden, wie Ernst Henne, Karl Gall oder Paul Köppen bekamen hier plötzlich Konkurrenz von internationalen Stars, wie Joe Craig oder Tazio Nuvolari. Die Rennen wurden schon damals von Jahr zu Jahr schneller, was dazu führte, dass ab 1928 keine Automobilrennen mehr auf der Solitude stattfinden durften. Für Motorräder aber ging es weiter. 1931 verkürzte man den Rundkurs auf zirka 19 km und 1935 fand man schließlich den klassischen Solitude-Rundkurs mit 11,4 km Gesamtlänge, der am Glemseck auf 383 m Höhe gestartet wurde, dann steil bis zum Frauenkreuz auf 502 m anstieg, um dann gleichmäßig wieder abzufallen. Besondere Merkmale waren die 2,3 km lange Hochgeschwindigkeitsgerade zwischen Steinbachsee und Schatten, die Schatten-S-Kurven und das 3 km lange Kurvengeschlängel im Mahdental. Insgesamt hatte der anspruchsvolle Kurs 26 Links- und 19 Rechtskurven. Wer sich hier einmal durchsetzen konnte, brauchte sich um den Respekt seiner Gegner nicht mehr zu bemühen. 1937 fand das letzte Solitude-Rennen vor dem Kriege statt. Großartige Rennen hatte man bis dahin auf dieser hügeligen Naturrennstrecke erleben können. Und große Namen, wie Ted Mellors, Tom Bullus, Oskar Steinbach, H.P. Müller, Heiner Fleischmann, Stanley Woods oder Wilhelm Herz, gaben sich dort ein Stelldichein.

50er Jahre

Elf lange Jahre war Rennpause auf der Solitude. Das erste Nachkriegsrennen gab es 1949. Die Zuschauer strömten in Scharen. Automobile waren nun auch wieder zugelassen und so begann ein neues Kapitel der Solitude-Renntradition, das glanzvoller denn je werden sollte. Stars der ersten Stunde waren aber die Motorradfahrer mit TT-Sieger Georg Maier an der Spitze. Der ADAC als Ausrichter des deutschen Motorrad Grand Prix baute die Solitude kontinuierlich aus und ab 1952 bekam sie den Großen Preis von Deutschland. Unglaubliche Zuschauerzahlen von bis nahezu einer halben Million bevölkerten die Renntage der 50er Jahre.

Zu dieser Zeit erklomm NSU den Gipfel des Motorradrennsports und holte mit Werner Haas, Rupert Hollaus und H.P. Müller insgesamt fünf Weltmeistertitel. Ab 1954 begann außerdem die Dominanz von BMW bei den Gespannrennen. Die WM-Läufe brachten alle berühmten Rennfahrer auf die Solitude, wie Geoff Duke, Umberto Masetti, Eric Oliver, Carlo Ubbiali, Bill Lomas, oder Reg Armstrong.

Ab 1954 bekam der Motorsport auf der Solitude mit der Rallye Solitude noch eine weitere Komponente. Auf dem Solitude-Ring und in naher Umgebung wurde eine sportliche Prüfungsfahrt für Automobile ausgetragen, die bald fast ebenso populär war wie die Rennveranstaltung. Ab 1961 wurde die Rallye mit der französischen Lyon-Charbonnières kombiniert und damit zu einer europäischen Topveranstaltung. 1967 zählte sie zur Europameisterschaft und bekam mehrmals das Prädikat Deutschland-Rallye.

60er Jahre

Formel-Rennwagen wurden zu Anfang der 60er Jahre immer mehr zur Attraktion. Bei Porsche baute man zunächst Formel 2 – Rennwagen mit 1,5-Liter-Motoren. Rennidol Hans Herrmann fuhr einen 1960 auf der Solitude und wurde nur knapp von Graf Trips auf Ferrari geschlagen. 1961 kam erstmals die Formel 1 auf die Solitude, mit allen Stars und auch ein Porsche Werksteam war dabei. Im Jahr darauf kam Porsche mit einem neuen Achtzylinder und es gab einen Solitude-Doppelsieg mit Dan Gurney und Joakim Bonnier.

Das Solitude-Rennen 1964 gilt als eine der besten Motorsportveranstaltungen aller Zeiten. Mit Motorradweltmeisterschaftsläufen in allen sechs Klassen und einem Formel 1 Grand Prix in Bestbesetzung bot dieser Renntag eine noch nie gekannte Qualität. Superstars vom Schlage Surtees, Clark, Brabham, Graham Hill, Hailwood, Redman, Read und Agostini gaben sich ein Stelldichein. Die Rekorde purzelten nur so bei den Motorrädern und bei den Rennwagen kam es zu einer kuriosen Regen-Hitzeschlacht. Im Jahr 1965 sollte die letzte Veranstaltung auf der Solitude stattfinden. Mit Motorradläufen, Sportwagen und Formel 2 verabschiedete sich der internationale Motorsport aus dem Stuttgarter Wildpark.

Bericht 2019

Normalerweise wäre der Führerschein weg!!

Mit 175 km/h über die Landesstraße 1188 von Leonberg Richtung Stuttgart, mit 130 durch die Kurve und erlaubt sind hier nur 70 km/h. Aber was für ein Spaß!! Unverantwortlich? Ja und an normalen Tag geht das einfach gar nicht, aber heute ist hier auf der Strecke nichts normal! Es ist Solitude Revival 2019 und die L1188 wird wieder zu der Rennstrecke die sie mal bis 1965 war. Aber weiter geht es in einem mörderischen Tempo über die Strecke bis wir zum Waldhotel Schatten kommen. Kräftig in die Eisen und ich kann das Presse Shuttle verlassen, um mir einen schönen Platz zum Fotografieren zu suchen. Das Shuttle rauscht in einem Affenzahn weiter, um vor Beginn der nächsten Rennklasse wieder von der Strecke zu sein.

Ungefähr alle 2 Jahre findet das Solitude Revival statt und wir sind in diesem Jahr zum ersten Mal dabei, um von dieser super Veranstaltung zu berichten. Das Wetter ist bombig gut, vielleicht etwas schwül, aber es bleibt den Tag über trocken. Als erstes laufe ich durch das Fahrerlager Nord wo sich gerade einige der an diesen Sonntag, zuerst startenden Fahrer und Fahrzeuge der Prototypen und Formelfahrzeuge vorbereiten, um auf die 11,7 km lange Rennstrecke zu gehen.  Rennen werden zwar nicht mehr gefahren, aber die historischen Fahrzeuge werden hier einem begeisterten Publikum präsentiert.

Auf die Prototypen und Formelfahrzeuge folgen dann die ältesten Fahrzeugen an diesem Wochenende, aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Hier haben mir am besten die riesigen „American LaFrance“ Boliden gefallen, die sich wie Traktoren anhören. Einfach klasse! Dann begebe ich mich wie oben schon beschrieben auf die Strecke damit ich die folgenden Rennklassen auf der Strecke fotografieren kann.

Viele der Autos, die ich heute durch die Hedersbachkurve kommen sehe, konnte ich auch schon bei meinen Besuchen im Zuffenhausener Porsche Museum bestaunen. Die Fahrzeuge wurden extra für diese Veranstaltung aus ihrem Dornröschenschlaf reaktiviert um von den zahlreichen, begeisterten Zuschauern bestaunt zu werden. Aber auf der Solitude Rennstrecke gab es nicht nur Autorennen, sondern auch sehr viele Motorrad Rennen der verschiedensten Klassen von 50 ccm bis 1000 ccm, mit und ohne Seitenwagen. Die Seitenwagen Gespanne haben es mir dann heute auch am meisten angetan. Das Zusammenspiel der Teams beim Fahren über die schön kurvige Strecke ist eine Augenweide. Waagerecht liegt der Copilot außerhalb des Seitenwagens, haarscharf über dem Asphalt oder der Grasnarbe. Man kann nur hoffen dass er weiß wann der nächste Leitpfahl kommt. Einfach faszinierend. Davon kann ich gerne noch mehr sehen.

Die Motorräder sind ebenfalls eine Augenweide, wie sie in der Schattenkurve liegend an mir vorbeiflitzen. Ja vor Jahren, nein leider schon 2 Jahrzehnte her, bin ich auch mal mit dem Motorrad durch die Schattenkurve gefahren! Natürlich ordentlich und mit erlaubter Höchstgeschwindigkeit.

Alles in allen bin ich begeistert von der Solitude Revival 2019 und weiß jetzt schon dass wir in hoffentlich 2 Jahren wieder dabei sein werden.

Fotos und Bericht von Marc Stibbe

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